By Florian Hohenauer

Der zweite Tag der re:publica fing an, wie der erste aufhörte: ohne WLAN. Ein nicht unerheblicher Teil der 22.814 Tweets von 5.690 Twitter-Accounts des ersten Tages drehte sich darum. Die Auswertung der Zahlen des ersten Tages ergab übrigens, dass die Anzahl der Tweets im Vergleich zum Vorjahr um 30 % zugenommen hat. Unsere inhaltliche Auswertung von Tag 2 sieht folgendermaßen aus: #1 Ronny Patz: Euroblogger und europäische Öffentlichkeit im Netz Das Konzept Europa steht nicht nur politisch vor Herausforderungen. Auch das Netz tut sich mit der Gestaltung länderübergreifender Communitys schwer. Ronny Patz warf in seiner Session „Euroblogger“ ein Schlaglicht auf die politische Blogosphäre in Brüssel. Sein Fazit: Vernetzung ist kompliziert, viele Blogger bewegen sich in der immer gleichen „Brüsseler Blase“. Auch auf andere Communitys abseits des politischen Lebens ließen sich die Ursachen übertragen. So seien Sprachbarrieren, national unterschiedliche Themenschwerpunkte und hoher Aufwand Gründe für mangelnde Vernetzung von Bloggern über Ländergrenzen hinweg. Ein Problem, dem sich auch Unternehmenskommunikation in Europa gegenüber sieht: Aufbau und Betreuung von internationalen Communitys erfordern als Fundament ein starkes gemeinsames Interesse – sonst verlieren Zielgruppen schnell die Lust, ihr Engagement aufrechtzuerhalten. #2 Thorsten Feldmann & Henning Krieg: Social Media und Recht Zum fünften Mal referierten die beiden Anwälte Thorsten Feldmann und Henning Krieg auf der re:publica über Tücken und Stolperfallen im Bereich Social Media. Die Themen variieren nicht sonderlich von Jahr zu Jahr: Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Einbettung fremder Inhalte und Impressumspflicht in sozialen Netzwerken. Ein Zeichen dafür, dass nach wie vor nicht ausreichend Augenmerk darauf gelegt wird. Feldmann und Krieg wiederholten Bekanntes machten aber auch auf neue Entwicklungen aufmerksam. So sehen die beiden beispielsweise das Impressum im Hintergrundbild bei Twitter-Accounts als kritisch. Twitter wird inzwischen vorwiegend vom Smartphone gefüttert, in den mobilen Apps tauchen die Hintergrundbilder nicht mehr auf. Die sicherste Variante ist ein Link im Profil. Wobei Rechtssicherheit im Social Web in ihren Augen nie existieren wird: Ein gewisses Risiko besteht immer – stetige Information oder Rat von Experten sorgen aber für Kalkulierbarkeit. #3 Mirko Lorenz & Anna-Lena Krampe: From attention to trust – Datenjournalismus Mirko Lorenz hat ein Betätigungsfeld für Medien und Journalisten ausgemacht, dass sie eigentlich bereits seit Jahrzehnten bedienen: Die Einordnung von Informationen für ihre Konsumenten. Die Lebenswirklichkeiten vieler Menschen werden jedoch immer komplexer und fragmentierter, die Verfügbarkeit von Informationen hat so stark zugenommen, dass ihre Verarbeitung für den Einzelnen nicht mehr möglich ist. Datenjournalismus bietet laut Lorenz hier die Möglichkeit, klassischem Journalismus eine Perspektive zu geben: Der Erfolg von Infografiken und Medien wie The New York Times oder The Economist zeigen, dass großer Bedarf für verständlich aufbereitete Daten besteht. Auch für Unternehmen ergeben sich hier Chancen: Transparente Daten, nachvollziehbar und hochwertig aufbereitet, können dazu beitragen, komplexe wirtschaftliche Entwicklungen zu erklären und sowohl Bekanntheit als auch Verständnis für unternehmerische Belange zu steigern. #4 Markus Heidmeier: „New directions in visual storytelling“ YouTube hat sich als feste Größe im Internet schon vor Jahren etabliert. Doch die Chancen, die Videos innewohnen, werden erst nach und nach erschlossen: Vor allem bei sehr jungen Netz-Usern und bei politischen Bewegungen, zeigt sich, dass Videos großes Mobilisierungspotenzial haben. Wie die Veranstaltung von Markus Heidmeier eindrucksvoll darstellte, ist das lineare Medium Film aber nicht mehr die einzige Art und Weise Geschichten und Kampagnen zu erzählen. Die intermediale Kombination beispielweise aus Webseite, Buch und Film ermöglicht vollkommen neue individuelle und interaktive Narrative. Dieses Potenzial gilt es auch für Unternehmen zu nutzen. Erfolgreiche Video-Kampagnen, wie beispielsweise die Tipp-Ex-Experience Teil 1 und Teil 2 zeigen in welche Richtung es hier gehen kann und wie groß die Reichweite sein kann. Intelligente crossmediale Kampagnen sind der nächste Evolutionsschritt – aufwendig, aber extrem wirksam. Für den dritten und letzten Tag der re:publica 2012 hat sich hoher Besuch angekündigt. Neelie Kroes, als EU-Kommissarin für die Digitale Agenda quasi auch re:publica-Kommissarin, spricht über die Pläne der EU. Wir sind gespannt! Updates auch auf @hotwirede!

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